50mm 1,4 – Die geniale Linse mit dem Turnschuhzoom




Vor einigen Wochen war es so weit. Ein neues Objektiv musste her und ich hatte das 50 1,4 von Canon schon seit einiger Zeit im Visier.
Ich entschloss mich also zu einem Kauf und wurde über die DSLR-Kleinanzeigen auf ein Angebot im DSLR-Forum aufmerksam. Nach langem hin und her konnte ich diese Linse dann doch nicht kaufen und stellte also eine Suchanzeige ein. Ich war wirklich begeistert wie viele Angebote mir hereingeflattert sind, nachdem im „Biete“ Bereich so wenig zu finden war. Dies sollte man sich also als Tipp am Rande auf jeden Fall notieren.
Nach ausgiebiger Wahl entschloss ich mich für ein Angebot von einem Moderator aus dem Forum, weil mir dies am seriösesten erschien, da man ja nie weiß zu wem man sein Geld als Vorleistung hinschickt.
Einige Tage und eine super Kaufabwicklung später war ich dann tatsächlich stolzer Besitzer dieser Linse und habe auch gleich angefangen einige Tests zu machen, welche alle positiv ausfielen.

Was ist eine Festbrennweite überhaupt?

Da wir zunehmend auch mehr Einsteiger auf unserem Blog begrüßen dürfen soll in diesem kurzen Abschnitt geklärt werden, was eine Festbrennweite überhaupt ist.
Eine Festbrennweite hat im Gegensatz zu einem Zoomobjektiv keine Möglichkeit die Brennweite zu ändern, was ihr auch den Namen gibt. Der große Unterschied ist zudem, dass die Festbrennweite meist wesentlich lichtstärker ist als ein Zoomobjektiv, aber dazu weiter unten mehr.
Durch die große Blendenöffnung entsteht ein wunderbares Bokeh, also eine Unschärfe die markante Lichtpunkte bildet, wie bei dem Titelbild unserer Sehenswert Reihe.
Vermindert wird dieser ohnehin schon sehr geringe Bereich der Schärfentiefe, wenn man das Objektiv an einer Vollformatkamera betreibt, wie es bei mir der Fall ist.

Was kostet der Spaß?

Es gibt Festbrennweiten in allen Preislagen. Die günstigste mir bekannte ist das 50 1,8 mit einem Neupreis von rund 100€, welches wir auch in unseren „Rundum Sorglos“ Artikeln für den Einstieg empfohlen haben. Diese Linse ermöglicht schon ein angenehmes Arbeiten mit umwerfenden „Festbrennweiten-Feeling“ für wenig Geld. Die Haptik dieser Linse ist sicherlich nicht die Beste, aber das sieht man ja letztendlich nicht am Bild.
Wenn man noch einen drauf setzen möchte und nicht nur ein Objektiv, welches gut in der Hand liegt sondern auch eine noch bessere Verarbeitung und Blendenöffnung besitzt, dann empfehle ich für diesen Brennweitenbereich ein 50 1,4. Für diesen Mehrnutzen habe ich 279€ inklusive Versand bezahlt. Dieser niedere Preis war jedoch nur möglich da ich von Privat gekauft habe.

Wo liegen die Vor- und Nachteile gegenüber Zoomobjektiven?

Ganz klar, der größte Nachteil einer Festbrennweite steckt bereits im Namen. Die feste Brennweite. Man hat keine Möglichkeit heraus zu zoomen um sein Motiv komplett abbilden zu können. Hier kommt dann die liebevolle Umschreibung „Turnschuhzoom“ ins Spiel, denn mit man einer Festbrennweite muss man ganz traditionell nach vorne oder hinten laufen um den Ausschnitt anzupassen.
Ein weiterer Nachteil ist unter Umständen der Preis, wenn man zu einem qualitativ hochwertigeren und somit auch teureren Glas greift. Wenn dies nicht der Fall ist, kann es genau so auch ein Vorteil sein, womit wir auch den fließenden Übergang zu den Argumenten finden die für ein solches Objektiv sprechen.
Für fotografische Arbeiten unter schweren Lichtbedingungen ist eine Festbrennweite nahezu unerlässlich, da man mit der großen Offenblende jedes Zoom Objektiv in die Tasche steckt. Mit meinem 50 1,4 kann ich bei größter Blende 1/4 der Verschlusszeit einstellen wie mit einem Zoom Objektiv mit 2,8 und zu einem von der Belichtung gleichen Ergebnis zu kommen. Im Bereich der Sportfotografie ist dies ebenfalls ein schlagkräftiges Argument.
Mindestens genau so wichtig finde ich, dass man mit einer Festbrennweite wesentlich bewusster und bedachter fotografiert, da man seinen Ausschnitt nicht so frei wählen kann und von dem Gedanken abkommt raus zu zoomen und das Motiv in voller Größe auf den Sensor zu bannen. Diese Beschränktheit fördert meiner Meinung nach das kreative Denken über den Ausschnitt.

In welchem Bereich setze ich eine Festbrennweite ein?

Meiner Meinung nach kann man diese Wunderwerke der Technik für alle fotografischen Bereiche einsetzen, doch nicht immer ist es sinnvoll.
Im Studio nutze ich eigentlich immer Zoom Objektive, da man so gut wie nie bei Offenblende fotografiert sondern meist bei Blende 8 bis 11 landet. Bei dieser starken Abblendung sieht man qualitativ keinen Unterschied mehr zu einer Festbrennweite sehen kann. Und der Brennweite wegen ist man definitiv zu unflexibel. Wenn man mehrere Kameras zur Verfügung hat ist es allgemein angenehmer mit Festbrennweiten zu arbeiten, da man dann nicht so oft das Objektiv wechseln muss.
Wann immer man aber bei schlechten Lichtverhältnissen fotografiert, oder das Bokeh besonders ausgeprägt sein soll ist eine Festbrennweite jedoch das Objektiv meiner Wahl.

Soll ich mir jetzt nur Festbrennweiten kaufen?

Also meine Empfehlung ist es definitiv nicht ausschließlich auf Festbrennweiten zu setzten, da man oftmals auf die Flexibilität von Zoomobjektiven angewiesen ist. Ähnlich wie in unserer Ausrüstungsempfehlung empfehle ich eine Kombination aus Zoom und Festbrennweiten oder sogar am Anfang eine komplette Abdeckung des Brennweitenbereichs mit Zoomobjektiven, beziehungsweise nur in dem Bereich den man benötigt.
Ich habe beispielsweise zuerst eine komplette Abdeckung des Bereiches von 15mm bis 400mm mit Zoomobjektiven vorgezogen, da ich durch die fotografischen Aufgaben in meinem Berufskolleg alle Bereiche von Reportage bis Produkt fotografieren muss. Von nun an werde ich aber keinerlei Objektive mit variabler Brennweite kaufen, sondern lediglich in Festbrennweiten investieren.

Nach diesem doch recht ausführlichen Erfahrungsbericht ist jetzt eure Meinung gefragt. Nutzt ihr Festbrennweiten und zieht die Lichtstärke der Flexibilität vor? Oder setzt ihr nur auf Objektive mit variabler Brennweite und nehmt den Lichtverlust in Kauf?
Wir freuen uns über eure Kritiken und Kommentare.

  1. Sandra Antworten

    Spannend, das Canon 50mm Objektiv ist auch schon auf meiner Wunschliste. Ich benutze seit Sommer das Canon EF 100mm Macro f/2,8 USM, da wars auch eine Sache der Zeit, bis man sich daran gewöhnt hatte, nur mit “Turnschuhen” zoomen zu können. Ich liebe mein Macro-Objektiv, dass ich übrigens auch gerne für Portraitaufnahmen verwende. Letztendlich ist es einfach eine irgendwie andere Art, zu fotografieren als mit den Zoomobjektiven.

  2. Jan Strohdiek Antworten

    Ich sehe es genau so wie du im Bericht geschrieben hast.
    Ich habe auch erst einmal nur in Zooms investiert, wobei mir noch ein Weitwinkel fehlt, aber mir dann das Canon 50 1.8 und das Tamron 90 2.8 zugelegt.
    Beide Objekive haben mich durch ihre Offenblendleistung überzeugt und lassen sich auch ziemlich universell einsetzten. Bei mir sind zum Beispiel beide Linsen in der Natur, im Sport und demnächst dann auch im Shootingbereich im Einsatz, habe sie aber auch sonst immer mit in der Tasche (man weiß ja nie).
    Richig “geil” finde ich dabei einfach die Möglichkeit schön freistellen und das Objekt richtig schön hervorheben zu können.
    Deshalb habe ich vor meinen Objektivpark noch um einige Festbrennweiten mehr aufzustocken um noch besser und präziser Arbeiten zu können. Im Telebereich halte ich Festbrennweiten wie das 300 2.8 oder das 400 2.8 auch für unausweichlich, da diese zwar schwer sind, aber meist noch nen ganzes Stück besser sind als die Zooms, die in diese Brennweiten hereinragen.
    Aber trotz der ganzen tollen Festbrennweiten, die mit der Zeit Einzug halten werden, werde ich auch weiterhin mein Kontingent von Zoom Objektiven (momentan 18-200mm) beibehalten und erneuern, da ich diese in bestimmten Situationen (z.B. Reportagen) nicht missen möchte, da ich mir dann doch den ein oder anderen Objektivwechsel ersparen und mich mehr aufs “Reportieren” konzentrieren kann.
    Als ziemlich wichtig erachte ich beim Einsatz von Festbrennweiten aber auch den Einsatz von mehrern Kamerabodys, damit man trotzdem noch eine gewisse Flexiblität beibehalten kann.

    Gruß Jan

    PS.: Wiedermal ein toller Bericht!

  3. Thomas Antworten

    Ich habe meinen Kursteilnehmern immer empfohlen an ihren Zoom-Objektiven für einige Zeit eine Brennweite mit Klebeband zu fixieren. So kann man ein besseres Gefühl für die Wirkung der einzelnen Brennweiten entwickeln – Stichwort: Weitwinkelperspektive – Teleperspektive.

    Zwei Nachteile von Zoom-Objektiven möchte ich hier besonders erwähnen: zum einen die stärkere Vignetierung (Abdunklung in den Ecken) bei offener Blende. Zum anderen die Verzeichnung (Abbildung von Geraden an den Rändern – tonnenförmig/kissenförmig), die sich mit der Brennweite ändert.

    Gruß Thomas

  4. Tobi Antworten

    Interessanter Beitrag, da ich mir auch bald das 50mm 1,4 kaufen will.
    Ich fände es aber mal interessant wenn ihr Testbilder,welche ihr gemacht habt auch noch zeigen könntet, da dies meiner Meinung nach den ein oder anderen vielleicht auch noch interessieren würde.

    PS: auf jedenfall mal wieder ein gut geschriebener Artikel ;-)

    Mfg Tobi

  5. Stefan Klein Antworten

    sehr schöner bericht! Mein 50mm f1.4 von Nikkor ist auch gerade aufm Weg zu mir. Bin echt voller Freude, einfach klasse, was man damit alles anstellen kann!
    Ich persönlich finde Festbrennweiten nicht schlimm..hatte auch schon den “Trick mit dem Klebeband” hinter mir. Es stimt, wie ihr geschrieben habt: Man bekommt ein besseres Gefühl dafür wie weit man weg muss oder wie nah drauf, um X oder Y in diesem oder jenem Ausschnitt abzubilden. Kurbelt in der Tat das kreative und bildliche Denken an!

    Ich bin voller Freude und bald gibts sicher auch Bilder davon! :)
    MfG,
    Steff

  6. Silke Antworten

    Na Jungs, diesmal bin ich euch aber zu vorgekommen und ihr seid mal nicht “Schuld” an einem Objektivkauf!

    Mir ist mein 50mm 1,8 ja leider kaputt gegangen (das ich mir dank eurem Beitrag damals gekauft habe). Damals ist gut, ist glaube ich erst ca. 3 Monate hin…

    Naja, es war kaputt und was nu? Neu kaufen? Da das Teil wirklich genial war? Nein, alle haben gesagt, wenn ich die Möglichkeit habe, soll ich mir das 50 1,4 kaufen. Und das hab ich dann auch getan. Vor euch! HA!

    Aber wenn ich es noch nicht gehabt hätte… dann hätte ich es mir wahrscheinlich nach eurem Bericht gewünscht *ggg*.

    Viel Spass mit dem Teil! Ich hab übrigens 330 EUR neu bei Achatzi gezahlt. Fand den Preis auch ganz okay.

    Und nu hab ich es in der Tasche!!! *freu*

  7. Ronny Antworten

    Hi zusammen,

    auch ich bin im Besitz dieses tollen Objektivs und möchte es nicht mehr missen. Einzig bei Offenblende kann man es eigentlich vergessen, da ist die Qualität doch nicht so toll, ab 2.0 gehts dann aber richtig los und ich bin von der Abbildungsleistung immer wieder begeistert.

    LG, Ronny

  8. Benjamin Harr Antworten

    Danke für eure zahlreichen Kommentare.
    @Silke: Das tut uns natürlich Leid mit deinem 50 1,8 wo war denn da der Wurm drin? Wir hatten bisher nur positive Erfahrungen mit der Linse gemacht.

    @Ronny: Ja das kann ich bestätigen, generell ist ja so, dass mit einer Abblendung von etwa 3 Blenden die Qualität der Linse am Besten ist.

  9. Silke Antworten

    Der Wurm war ein umgefallenes Stativ, das Objektiv war völlig unschuldig *gg*. Es hat sogar meine Kamera gerettet, indem es vorher kaputt gegangen ist. Die Cam hat nix abgekriegt. War aber auch nur aus 50cm Höhe umgefallen…

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