Kopfsteinpflaster vs. Tele – Erfahrungsbericht Fotoversicherung



Es ist der Schrecken eines jeden Fotografen – die Kamera samt teuerster Linse geht durch Eigenverschulden zu Bruch.
Was jetzt? Wenn man nicht so viel Geld locker hat, um das gleich wieder ersetzen zu können, ist das schonmal ein schwerer Schock.

Genau so ging es mir auf unserer Fotoreise bei der Station Heidelberg, als mir während der Streetfotografie in der Fußgängerzone durch eine ungeschickte Bewegung die Kamera aus dem – aus Versehen falsch geschlossenen – R-Strap herausfiel.
Ich kann euch sagen, mein entsetzter Gesichtsausdruck sah bestimmt noch viel verrückter aus als das zerbrochene 70-200 2,8 Telezoom und selbst der freundliche Kommentar von unseren spontanen Models „Hahaha, ist es jetzt Schrott?“ heilte meine fototechnischen Wunden auch nicht.
Die Kamera war also samt dem Teleobjektiv aus etwa einem Meter auf den Boden geprallt und am Filtergewinde zuerst aufgekommen. Die Gegenlichtblende war nicht aufgeschraubt, wodurch das Filtergewinde vorne direkt eindellte. Doch der eigentliche Schaden entstand zwischen Stativschelle und Bajonettgewinde, da es dort an den schlecht verarbeiteten Plastikstegen, die ja schließlich das ganze Gewicht des Objektivs tragen müssen, auseinander brach. Ich hatte also mein Objektiv eingedellt und in zwei Stücke zerfetzt in der Hand. So konnte man es zwar praktischer in der Fototasche verstauen aber der Nutzwert ging drastisch zurück. Man konnte es praktisch nur noch als Briefbeschwerer nutzen.
Die Kamera blieb durch den Sturz zum Glück unbeeinflusst, was uns die Möglichkeit gab die Fotoreise fortzusetzen.

Glücklicherweise hatte ich einige Monate zuvor eine Fotoversicherung abgeschlossen und meine gesamte Ausrüstung versichert. Dies geschah damals vor einer Pragreise, da ich der Stadt mit den trickreichsten Taschendieben nicht vertraute.





In der Nebengasse der Fußgängerzone kam dann also die Frage auf, ob meine Versicherung auch für diesen Fall, im wahrsten Sinne des Wortes, zahlen würde.
Die darauf folgenden Stunden waren sicherlich der Tiefpunkt meiner Motivation während unserer Street-Fotoreise und Marius schrieb in einem dazugehörigen Artikel, dass er noch nie so viele Schimpfwörter in so kurzer Zeit gehört hätte.
Der Frust saß also tief und direkt nach der Heimkehr wurde Kontakt zu der Versicherung aufgenommen und mit wirklich nieder angesetzten Erwartungen startete der Kontakt. So wurde also ein ausführlicher Schadensbericht mit Bildern erstellt und versandt.
Für Versicherungen, die meiner Meinung nach eigentlich nur versuchen, den Schaden nicht zahlen zu müssen, war der Kontakt sehr gut und freundlich. Trotzdem muss man regelmäßig anrufen und fragen, wie es mit der Bearbeitung des Falles aussieht, damit sie einen nicht zur Seite drängen.
Nach etwa zwei Wochen kam dann die Bitte, dass ich das Objektiv zu ihnen schicken solle. Insgeheim hoffte ich auf eine Reparatur, da die Linsen nicht beschädigt wurden und es sozusagen „nur“ die Verbindungsstücke zwischen meinen beiden Objektivstücken und das Filtergewinde ausgewechselt werden musste, denn mein Objektiv war wirklich eine 1A Ware, die sehr scharf abgebildet hat und auch sonst ohne Mängel war, was ja bei Sigma leider nicht ganz selbstverständlich ist.

Weitere zwei Wochen und etliche Telefonate später kam ein Schreiben, dass ich meine Versicherungssumme komplett erstattet bekomme.
Ich hatte als Versicherungssumme 600€ als Neupreis bei Abschluss des Vertrages angegeben, was nur 40€ unter meinem wirklichen Neupreis lag und der runden Zahl wegen in den Schein geschrieben wurde.
Zuerst war ich sehr erfreut, dass ich praktisch eine neue Linse geschenkt bekommen habe, da mir die komplette Versicherungssumme ausgezahlt wurde. 
Die erste Enttäuschung kam dann, als ich merkte, dass das Objektiv inzwischen um rund 100€ im Wert gestiegen ist – typisch.
So zerschellten für mich im Endeffekt 140€ auf dem Pflaster der Heidelberger Innenstadt, doch dafür habe ich mir eine 1A neue Linse kaufen können, die nun den Platz ihres Vorgängers an meiner Kamera eingenommen hat.

Um wieder von meiner „Leidensgeschichte“ wegzukommen und wieder zurück zu den Vor- beziehungsweise Nachteilen der Versicherung zu kommen, wollen wir einmal zu einer der wichtigsten Angelegenheit einer jeden Versicherung gelangen – dem Beitrag.
Ich zahle circa 5% des Neupreises meiner Fotoversicherung als jährlichen Beitrag.
Um es an einem konkreten Beispiel zu nennen, wäre dies bei einem Kamerabody für 400€, eineim Standardzoom für 300€ und einer Festbrennweite für 300€ (Summe = 1000€) ein jährlicher Beitrag von 50€.
Dafür bekommt man, wie ich finde, einiges an Leistung geboten, denn es sind nicht nur selbstverschuldete Unfälle wie bei mir sondern auch Diebstähle und andere Lappalien unter dem Versicherungsschutz.
Jedoch wird nicht bei einer verlorenen Ausrüstung gehaftet, und wenn die Kamera gestohlen wird braucht man eine polizeiliche Bestätigung. Zudem darf man im Falle eines Diebstahls die Kamera nicht unbewacht liegen lassen, sondern muss sie mit sich führen. So würde die Versicherung nicht greifen, wenn ihr bei einem Event die Tasche in die Ecke stellt und dann gespannt am anderen Ende der Halle einem Vortrag lauscht, aber wohl wenn man seine Tasche umhängen hat und sie einem weggerissen wird.
Es gibt auch einige versicherungstechnische Grenzfälle, wie den Diebstahl aus einem Hotelzimmer oder dem eigenen Auto, doch dies ist von Fall zu Fall anders zu handhaben.

Zum Thema Laufzeit möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Meine Versicherung bei der „Victoria“ hat eine Laufzeit von mindestens einem Jahr und muss drei Monate vor Ablauf des Jahres gekündigt werden, sonst wird die Laufzeit automatisch um ein weiteres Jahr verlängert.

Mein Fazit aus dieser Geschichte ist, dass eine Fotoversicherung für jeden, der seine Kameraausrüstung nicht locker aus dem Ärmel heraus wieder ersetzen kann eine gute Investition ist. Theoretisch hätte man für den Beitrag, den man in zwanzig Jahren an die Versicherung zahlt jede Linse und jeden Body sich einmal stehlen oder fallen lassen können und trotzdem hätte man noch keinen  Verlust gemacht.
Da dies aber wahrscheinlich öfter passiert als einmal in zwanzig Jahren, halte ich diese Versicherung für eine sehr gute Sache, die mir und meinem Geldbeutel schon geholfen hat.

Hattet ihr auch schon einen solchen Fall? Oder habt ihr aus Prinzip keine Kameraversicherung? Eure Meinung interessiert uns!

  1. Stefan Antworten

    5% vom Neupreis ist relativ viel. Ich zahle nur 2,75% bei 50€ Selbstbeteiligung und musste auch nicht so viel telefonieren als ich mal einen Schaden hatte. Das Geld bekam ich innerhalb von 10 Tagen nach Reparaturende zurück.
    Ich kann also P&P empfehlen :)

  2. Markus Antworten

    Kameraversicheurng ist immer so ein Sache, es gibt gute und schlechte.
    Derzeit besitze ich keine, aber nachdem die Ausrüstung nicht billiger sondern teurer wird rechne ich auch nach und lese verschiedene policen.
    Im nächsten Jahr werde ich wohl auch eine Versicherung unterschreiben um mich vor meiner Dummheit zu schützen aber auch gegen erweiterten Diebstahl.
    Ich werde aber nicht alle Kameras/Objektive Versichern. Besonders wenn ein Eigenanteil von 150€ oder ähnliches dabei ist. Hier muss man dann schon gegenrechnen welche Teile sich rentieren zu versichern. Ein kleine 50er mit 1,4 was man für 300€ bekommt treibt nur den Preis nach oben und ist schnell wieder angespart.
    Soweit meine Gedanken dazu ;-)

  3. Akira Schüttler Antworten

    Hi,
    Danke für den aufschlussreichen Beitrag.
    Nach meinem Systemwechsel überlege ich mir auch ob ich mein Equipment versichern lasse. Werde ich mir nochmal überlegen.
    Danke für die Tipps und Hinweise,
    Grüße Akira

  4. Wolfgang Heisel Antworten

    Hi,

    ich habe auch eine Versicherung für meine Fotoausrüstung und selbst in diesem Jahr den Fall erlebt, dass ich sie gebraucht habe.
    Was ich damals schon gemerkt habe ist, dass es gewaltige Unterschiede in den Versicherungsleistungen und den Bedingungen gibt. Dein Artikel bestätigt dies wieder. Meine Versicherung läuft über Pergrande & Pöthe. Ich zahle 2,75% der Versichungssumme jährlich, bei 50 Eur Selbstbeteiligung. Abgesichert ist damit unter anderem auch der Verlust der Ausrüstung, was ich für extrem wichtig halte. Das eröffnet auch die Möglichkeit eine ins Wasser gefallene Kamera die man nicht wieder bergen konnte usw. ersetzt zu bekommen. Für mich als Segler durchaus auch eine Option. Oder anders ausgedrückt scheint es meiner Versicherung auch egal zu sein ob ich meine Kamera beim Austeigen im Zug habe liegen lassen, oder ob sie mir jemand gestohlen hat.
    Ebenfalls wichtig für mich sind die Punkte ob auch geliehenes oder neu angeschafftes Equipment versichert ist und ob meine Kamera auch versichert ist, wenn ich sie mal verleihe. Man muss sie ja nur mal kurz einem Kollegen in die Hand gedrückt haben um schnell ein Foto zu machen.
    Bei der Schadensregulierung war meine Versicherung übrigens sehr genial. Mein MacBook hatte einen eindeutig selbst verschuldeten Schaden. Nachdem ich den Kostenvoranschlag für die Reparatur hatte und dieser per Fax bei der Versicherung war hat es nur wenige Stunden gedauert und ich hatte die Zusage für eine Kostenübernahme. Das neue Gerät habe ich dann selbst am gleichen Tag noch gekauft und das Geld wenig später von der Versicherung erstattet bekommen.

    Soviel zu meinen Erfahrungen.

    Wolfgang

  5. Thomas Antworten

    Hi,
    wer mit seiner Fotoausrüstung seinen Lebensunterhalt verdienen will, sollte auf jeden Fall seine Ausrüstung versichert haben, da ja nicht nur ein Sachschaden entstehen kann, sondern auch ein Verdienstausfall, evtl. auch Konventionalstrafen. Und selbst einen Studenten kann so ein Schaden um einiges zurückwerfen (Abgabetermine).

    Es ist wie bei fast jeder Versicherung: braucht man sie nie, ärgert man sich über die gezahlten Beiträge. Hat man keine Versicherung, kann das die Existenz bedrohen.

    LG Thomas

  6. Andy Bee Antworten

    Vielen Dank für den tollen Erfahrungsbericht. Ich werde mir in naher oder ferner Zukunft auch mal überlegen meine Ausrüstung teilweise zu versichern.

    Noch eine kleine Anmerkung zu deinem Beitrag:
    Ich finde es generell schon toll wenn jemand offen und ehrlich ist und in seinem Blog seine persönliche Meinung wiedergibt. Aber mit solchen Nebensätzen wie “da ich der Stadt mit den trickreichsten Taschendieben nicht vertraute” wäre ich etwas vorsichtig. Taschendiebe gibt’s schließlich überall, auch bei uns in Deutschland.

    “Just my 2 cents” ;-)

    Viele Grüße und allzeit gut Licht
    Andy

  7. Christine Antworten

    Danke für diesen Artikel.
    Ich habe mir auch kürzlich überlegt, eine Versicherung abzuschliessen, und auch mir ist mal eine Kamera runtergefallen (zum Glück war nur der Skylightfilter kaputt).
    Vielleicht wäre es ganz sinnvoll, auch eine Bad-List zu veröffentlichen…

  8. Stefan Antworten

    Ja, soetwas ist mir auch schon passiert, mir ist meine D3 samt 105er Macro in einen Bach gefallen. Schadenpunkt knapp 2.500 EUR, zum Glück hatte ich auch schon seit ca. einem Jahr eine Fotoversicherung bei Pöpping´s Fotografenversicherung (www.fotoversicherung.com),
    nachdem ich mich dort telefonisch gemeldet habe, bekam ich sofort per Mail eine Schadenanzeige zugeschickt, gab die Sachen zum Service, sobald ich den Kostenvoranschlag hatte, habe ich Ihn per Mail an Pöpping weitergeleitet, innerhalb von erstaunlich kurzen 2 Stunden hatte ich die Reparaturfreigabe und musste nach erfolgter Reparatur nur noch die Rechnung einreichen, woraufhin ich nach 4 Tagen das Geld, abzüglich meiner Selbstbeteiligung von 100 EUR auf dem Konto hatte. Aus dieser Erfahrung muß ich sagen, dass Versicherungen nicht immer so schlimm sind wie ihr Ruf !

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