Serie: Hochzeitsfotografie – Bildvorstellung




In dem vorherigen Artikel, nämlich der Vorbereitung der Hochzeitsfotografie habe ich euch relativ lang und ausführlich erklärt wie ich an die Planung herangegangen bin. 
Doch heute, zwei Wochen nach der Hochzeit möchte ich euch die Bilder präsentieren und erzählen wie es gelaufen ist.

Der fotografische Teil

Wie bereits im Planungsartikel befürchtet war das Standesamt nicht das hellste von der Beleuchtung her gesehen, weshalb ich dort auf die Festbrennweiten zurückgriff – ein 50mm 1,4 am Vollformat und ein 85 1,8 an einer Crop-Kamera.
Mit dieser Kombination war ich relativ zufrieden und habe so dann auch während der ganzen Trauung selbst fotografiert.
Da in dem Raum selbst jedoch nicht all zu viel Platz vorhanden war wurde meine Mobilität, welche ich für eine stimmige Perspektive und Komposition definitiv brauche, stark eingeschränkt. So entstanden leider keine all zu großen Wunderwerke in dem Standesamt selbst, es ist ehr eine sachliche Ablichtung des Geschehens.

Nach der Trauung gingen die ganze Hochzeitsgesellschaft vor das gläserne Rathaus. Wir schossen einige Fotos vor einer Glasfassade in welcher sich die Altstadt spiegelte, die sozusagen hinter der Kamera war.
Dies erzeugte eine sehr interessante Auflockerung des unscharfen Hintergrunds.

Die hier gezeigte Bildvorstellung ist selbstverständlich eine Auswahl, die nicht die privatesten und familiärsten Bilder zeigt, sondern hier werden auch viele Details auftauchen. In einer gelungenen Serie dürfen diese meiner Meinung nach auf keinen Fall fehlen, weshalb es einige Bilder von dem Herz aus Rosen auf dem Hochzeitsauto oder der Tischdekoration gibt.

Vor dem Standesamt habe ich auch eines meiner persönlichen Lieblingsbilder des Tages geschossen, als der kleine Sohn des Paares zu der Braut kommt um sie etwas zu fragen. Dabei fasste er an ihre Kette und es entstand ein hoch emotionales und verbindendes Bild, wie ich finde.

Während der eigentlichen Feier, die in der örtlichen Sporthalle nutzte ich an Objektiven ebenfalls nur die beiden Festbrennweiten und abermals wegen mangelndem Licht.
Ich hatte zwar die Möglichkeit zu Blitzen, jedoch macht ein Blitz die Lichtstimmung völlig kaputt, wobei man meiner Meinung nach bei einer Reportage versucht diese einzufangen.
Somit lag meine Kameraeinstellung bei der Canon 5D mit dem 50mm 1,4 immer bei Offenblende und ISO 3200 (Push Erweiterung) und bei der 450D mit dem 85 1,8 ebenfalls bei Offenblende und ISO 1600.
Dies erlaubte mir dann eine Belichtungszeit zwischen 1/25 und 1/200 Sekunde je nach dem mit welcher Kamera und in welcher Ecke der Halle das Bild geschossen wurde. Beim Durchsehen der Bilder gab es deutlich weniger verwackelte Ergebnisse als ich schon befürchtet habe.



































Für die meisten Hochzeitsfotografen endet die Hochzeit spät am Abend und sie fallen erschöpft ins Bett und schlafen sich aus. Bei mir war das nicht anders, jedoch ging ich am Morgen gleich wieder in die Halle um die Aufräumarbeiten zu dokumentieren.
Ich denke, dass das, was außerhalb der Feierlichkeiten passiert auch würdig ist fotografiert und dokumentiert zu werden. So schoss ich am nächsten Tag als auch wieder genug Licht vorhanden war mit dem 70-200 Telezoom an der 450D einige Portraits, während ich mit dem 15-30 Ultra Weitwinkel an der Vollformatkamera die Lokalität und das Geschehen im gesamten noch etwas ablichtete.
So entstand auch dieses Bild als die Deckendekoration wieder abgehängt wurde.

Durch den Weitwinkel wirkt die Distanz viel größer, was aus diesem Motiv eine schon fast schwindelerregende Aufnahme macht.

Bildbearbeitung

Auch bei diesen Bildern spielte die Bildbearbeitung alles andere als eine unwichtige Rolle. Ich saß mehrere Stunden daran von den 966 geschossenen Bildern die Auswahl auf 194 einzugrenzen die ich als gelungen einschätze. Allein dieser Schritt kostete deutlich mehr als eine Stunde Zeit.
Speziell für die Bearbeitung der Bilder von der Hochzeit habe ich mir die Testversion von Lightroom 3 geladen, da der Umgang mit größeren Datenmengen dort wesentlich einfacher ist als in der Bridge, welche ich sonst bevorzuge.
Nach der doch intensiven Arbeit mit diesem Programm, in welchem ich mich auf Anhieb wohl fühlte und alles gefunden habe was ich brauche, muss ich sagen, dass Lightroom auf jeden Fall eine schöne Sache ist und ich gerade am überlegen bin ob ich es mir kaufen soll. Doch dies soll kein Programmtest sein, weshalb wir an dieser Stelle im Kontext weiterfahren.

Ich verabscheue es wenn man irgend ein heruntergeladenes Preset über seine Bilder klatscht und es als seinen Bildlook bezeichnet. Zudem sind sie meist sehr abstrakt, was nicht zu jedem Bild passt.
Deshalb habe ich mir einige eigene Vorgaben in Lightroom angelegt und diese auf die jeweilige Situation angepasst. So war in der Vorgabe für die Bilder in der dunklen Halle viel Aufhellicht und eine Rauschreduzierung mit drin, was ein durchaus befriedigendes Ergebnis mit sich brachte.
Hier seht ihr eine vorher/nacher Ansicht bei einem100% Ausschnitt eines Bildes mit ISO 3200.

Die neue Rauschreduzierung in Lightroom 3 kennt man ja auch schon aus dem neuen Camera Raw und sie funktioniert vorzüglich.

So kann ich euch nur sagen, dass man seine Bilder lieber etwas dunkler schießt als sie komplett zu verwackeln, denn so kommt man zwar zu einem leicht rauschenden aber scharfen Bild was sicherlich besser ist als ein rauscharmes und verwackeltes Bild.

In unserem nächsten und letzten Teil der Hochzeitsfotografie Serie gibt es ein persönliches und umfassendes Fazit von Marius und mir zu dem, was wir aus diesen fotografischen Erfahrungen mitnehmen konnten und was wir auch das nächste Mal ändern würden.
Ihr könnt also weiter gespannt sein.

Wie immer gilt, dass eventuell auftauchende Fragen oder Kritik gerne als Kommentar unter dem Artikel gesehen wird.

  1. Peter Antworten

    Tolle Fotos, schön auch der Bericht über die Entstehung und das Drumherum. Das Lightroom steht bei mir auch auf der Wunschliste. Man kann seinen Workflow damit optimieren und viel Zeit sparen. Gerade wenn man mit 1000 Bildern nach so einem Tag heim kommt. Festbrennweite im engen Standesamt, das ist mutig. Sicher aber die beste Wahl, wenn man das fehlende Licht kompensieren muss.

    lg Peter

  2. Markus Antworten

    Spitzen Fotos, fürs erste mal. Ich bin echt erstaunt. Saubere Arbeit bei dir. Bei mir steht nun auch im Mai eine Hochzeit an wo ich zusammen mit einem anderen Fotografen gebucht bin, bin sehr froh vorher andere Erfahrungen lesen zu können um vorbereiteter an diese herangehen zu können.

  3. Ivan Antworten

    Sehr, sehr schöne Bilder. Vor allem der Mix aus den verschiedenen Stilen. Gefällt mir sehr gut. LR ist genial und ich würd es NIE wieder eintauschen wollen. Von der Anzahl hatte ich auch ähnliches, knapp 1000 geschossen, aber dann doch schon 400 abgeliefert. Man muss einfach ein Motiv verschieden und mehrmals aufnehmen. Aber auf die idee am nächsten tag das Aufräumen auch zu fotografieren, kam ich nicht. Allerdings hatte ich an dem Hochzeitstag auch einen 11-24 Uhr Tag, so dass ich am Sonntag darauf ähnlich lang geschlafen habe ;-)

    Auf den nächsten Teil bin ich schon sehr gespannt.

    Grüße
    ivan

  4. svenson Antworten

    Hallo
    sehr schöner Artikel, aber was ist denn die Push Erweiterung bei der 5D?

    Gruß

  5. Benjamin Harr Antworten

    Danke für all eure Kommentare!

    @svenson: Die Push Erweiterung ist im Prinzip keine “echte” ISO Stufe die in meinem Fall 3200 entsprechen würde, sondern die Kamera schießt in Wirklichkeit ein Bild, das eine Blende unterbelichtet ist und hellt dieses dann auf. Dieser Prozess entsteht komplett in der Kamera.

    So habe ich zwar einen Qualitätsverlust und eine erhebliche Zunahme des Rauschens, aber lieber ein scharfes und verrauschtes Bild als ein unscharfes, verwackeltes und rauscharmes.

    Gruß Benni

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