Das erste Mal: Konzertfotografie

Vor ungefähr einem viertel Jahr haben ein paar Lichtathleten Hintermänner gefragt, ob ich nicht spontan Lust hätte, mit auf „Das Fest“ in Karlsruhe zu kommen. Eigentlich bin ich ja nicht so der Musikfanatiker, aber der kostenlose Eintritt am Sonntag hat mich in Verbindung mit der Chance auf neue Bildansätze letztendlich doch überzeugt – zumal wir mit einem Cabrio chauffiert wurden.


Erwartungen

Entsprechend niedrige Erwartungen hatte ich, als wir in der vierten Stadt unserer Fotoreise ankamen.  Zuversichtlich stimmten mich da schon die riesigen Zuschauermassen.  Klar, gab ja was umsonst. Und wenn so viele Menschen schon allein wegen der Musik kommen, muss das Event ja auch etwas in Sachen Bühnentechnik zu bieten haben. Hatte es auch: viele Scheinwerfer sorgten vor allem ab Dämmerungseinbruch für eine unvergleichliche Stimmung. Fototechnisch sollte also was gehen. Als wir ankamen, startete gerade Charlie Winston seinen Live-Act. Dann folgte das John Butler Trio. Die drei Jungs waren mir vorher nur vom Namen her ein Begriff, allerdings kann sich die Musik durchaus hören lassen, auch wenn sie nicht ganz meinen Geschmack trifft. Das war bei Gentlemen dann schon eher der Fall. Hier war ich jedoch leider nicht mehr mit meiner Kamera ausgerüstet. Warum, soll hier nicht zur Sprache kommen.

Ausrüstung

Dafür möchte ich euch kurz erläutern, was und warum an diesen Abend den Weg in meine Fototasche gefunden hat. Den Grundstock bildete dabei wie meist meine Canon 450D. Zwar ist deren Rauschverhalten nicht gerade gut, um nicht grottenschlecht zu sagen, dafür kam mir die natürliche „Brennweitenverlängerung“ um den Faktor 1,6 schon eher entgegen. Bennis Sigma 70-200 mit Offenblende 2,8 bot hierbei den idealen Kompromiss zwischen Brennweite und Lichtstärke (mein Canon 70-200 2.8 habe ich ja verkauft). Mit dabei war auch ein 2-fach Telekonverter, der allerdings aufgrund der Verschiebung der Offenblende auf 5,6 nur anfangs zum Einsatz kam und später, bei dunkleren Lichtverhältnissen, nicht mehr zu gebrauchen war. Abgesehen davon war ich auf diese nochmalige Verengung des Blickwinkels gar nicht angewiesen. Wir standen in der dritten Reihe. Ebenfalls kaum eingesetzt wurde mein Canon 85 1,8, mit dem ich mich schon wieder einen Tick zu weit weg und in meinen Möglichkeiten begrenzt fühlte. Allein schon weil es mein Lieblingsobjektiv ist, durfte das Sigma 30 1,4 kein Schattendasein in der Fototasche fristen. Das ein oder andere Zuschauerbild ist damit entstanden. Vor allem als es dunkler wurde, kam mir die weite mögliche Blendenöffnung natürlich sehr entgegen, von dem hübschen Bokeh einmal ganz zu schweigen.

Bildaufnahme und Bearbeitung

Bei der Bildkomposition ging es mir vor allem um folgenden drei Punkte:

  1. Den Musiker so nah wie möglich aber so weit wie nötig abzubilden. Das heißt, dass sowohl Mimik und Gestik als auch Hintergrundszene und Instrument zu erkennen sein sollten.
  2. Die Lichtsituation mit einzubinden. Das Fest war festlich beleuchtet. Diesen Umstand habe ich genutzt um durch Licht- und Schattenspiele, die Bilder interessanter zu gestalten und die Künstler im „richtigen Licht“ zu zeigen.
  3. Vor lauter Stars und Sternchen nicht vergessen, den Blick um 180 Grad auf die Zuschauer zu wenden. Hier lassen sich genauso interessante Details wie auf der Bühne einfangen.

Die Bildbearbeitung wurde ausschließlich mit Lightroom (2.6) durchgeführt:

  1. Wie hier bereits näher beschrieben, habe ich als Hauptstilelement das Preset „PH B&W Beach“ eingesetzt.
  2. Anschließend habe ich den globalen Kontrast mittels Gradationskurve angepasst. Dabei allerdings nicht auf das Histogramm geachtet, sondern mich ausschließlich auf mein Bauchgefühl verlassen. Wer mehr Zeit, kann an dieser Stelle auch noch perfektionieren und abgesoffene Stellen korrigieren.
  3. Letzte Kontrastanpassungen habe ich über den Klarheitsregler durchgeführt.  Dabei solltet ihr darauf achten, insbesondere die Gesichter nicht zu markant erscheinen zu lassen und hier gegebenenfalls selektiv nachbessern.

Was habe ich gelernt?

Dass beim ersten Mal noch Raum für Verbesserungen bleibt, war zu erwarten. Dennoch gefallen mir auch diese Ergebnisse schon ziemlich gut. Unbedingt beachten solltet ihr das Akkreditierungsverfahren des Veranstalters, da ihr sonst ziemlich schnell in relativ große Probleme geraten könntet. Das Thema wird hier in den nächsten Wochen/Monaten nochmals gesondert behandelt werden, weshalb ich es an dieser Stelle dabei belassen möchte. Weiterhin wichtig ist, dass ihr eine Lichtstarke Optik am besten in Verbindung mit einer Rauscharmen Kamera am Start habt. Blitzen vernichtet nicht nur die ganze Atmosphäre, sondern ist auch (bei größeren Konzerten) schlicht verboten. Fürs erste und gerade in Verbindung mit der Bildbearbeitung kann letzterer Punkt auch mal getrost vernachlässigt werden.

Wichtig ist: konzentriert euch auf die Musik, trefft den richtigen Moment im richtigen Licht und vergesst nicht die Kamera auch mal aus der Hand zu legen und einfach abzudancen! Viel Spaß bei eurem ersten Mal Konzertfotografie. Es lohnt sich. Über Anregungen und Tipps bzgl. Artikel und den Bildern wäre ich höchst erfreut!



Wie haben euch die Bilder gefallen? Hinterlasst doch einfach einen Kommentar.

  1. kayamaran Antworten

    Wow. Super Konzertbilder , schön die Stimmung eingefangen…Das John Butler Trio hab ich vor Jahren in einem kleinen Club gesehen. Grandioses Konzert!

  2. tobi Antworten

    Ich muss grad selber lachen, denn seit letztem Frühjahr fotographiere ich selber Konzerte. Dabei habe ich meine 450D, ein 50 f/1.8 und ehemals ein Sigma 30 f/1.4. Ich kenne viele der Situationen, die du beschreibst.
    Ich bin nie bei großen Konzert mit guter Beleuchtung dabei, sondern zumeist immer nur bei kleinen Gigs. Da sind maximals 5 bis 6 Lampen an der Decke. Hin und wieder ist das verdammt fordernd. Mit Blende 2.8 kann ich bei der Hälfte der Konzerte nichts anfangen, da ich trotz ISO1600 nichts mehr auf der Fotos sehe.
    Was ich vor kurzem ausprobiert hatte war ein 100mm f/2, das hat relativ gut funktioniert. Was aber da wieder reinspielt, ist die Belcithungszeit bei Weitwinkeln, die ich oft nicht erreichn konnte um verwacklungsfreie Bilder zu garantieren.

  3. Sabi Antworten

    Mir gefällt das vorletzte Bild am besten.
    Der sehnsüchtige BLick des Künstlers als würde er weit ab vom Konzert und den Massen vor ihm sein. In seiner Gedankenwelt, was denkt er wohl in diesem Moment.

    Hat mir echt am besten gefallen, das Bild erzählt richtig etwas :-)

    Beschnitt ist in meinen Augen auch wunderbar.

  4. beautifulmess Antworten

    ihr wart auf das Fest! wow echt klasse, dort war ich auch und gerade die Menschenmassen am Sonntag waren total beeindruckend, mir gefallen die Bilder mit den Menschen auch am meisten, so riesige Massen sind allgemein ziemlcih intressant!

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