Kenny Scholz dreht am (Kirmes-)Rad der farbenfrohen Nachtfotografie

Im Folgenden findet ihr den ersten Gastartikel auf Lichtathleten.com.

Der Autor heißt Kenny Scholz und kommt aus Weinböhla, nahe Dresden. Seit einem Karibik Urlaub im Jahr 2009 beschäftigt er sich intensiver mit der anspruchsvollen Fotografie. Im März diesen Jahres reichte ihm seine Einstiegskamera, die a200 von Sony nicht mehr und er stieg auf eine Canon 7D um. Auf seinem Blog “PicturesNet” präsentiert er seit geraumer Zeit seine Fotos und beschreibt seinen Workflow.

Danke Kenny, das du dir die Mühe gemacht hast, unsere Site mit diesem wertvollen Artikel zu bereichern.



Wenn ihr Interesse daran habt, ebenfalls einen Gastartikel auf Lichtathleten.com zu veröffentlichen, scheut euch nicht, uns zu kontaktieren. Jetzt aber: Text ab!

Am Freitag, den 3. September 2010 fand das Winzerstraßenfest in Weinböhla statt. Da das Wetter nach tagelangen Regenfällen endlich besser war habe ich mich schon am frühen Abend mit meiner Kamera auf das Weinfest begeben. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zur „blauen Stunde“ einige Langzeitbelichtungen von der Kirmes aufzunehmen. Nachdem es langsam düster wurde, habe ich mich mit meinem Stativ vor dem Riesenrad platziert. In meiner Vorstellung fand ich es äußerst ansprechend, direkt nach Sonnenuntergang eine Langzeitbelichtung vom Riesenrad zu erstellen – die Betonung liegt hier auf „in meiner Vorstellung“. Was am Ende auf dem Display der Kamera zu sehen war, entsprach überhaupt nicht dem, was mit vorgeschwebt hatte. Das Bild wirkte überhaupt nicht, es kamen weder die Farben noch die blaue Stunde der Komposition zur Geltung. Auch ein Standortwechsel brachte nicht die Ergebnisse, die ich mir erhofft habe. Mit zunehmender Dunkelheit hatten die Bilder dann ein gewisses Flair, obwohl es nur stinknormale Nachtaufnahmen waren.
Je später es wurde, desto ungemütlicher wurde die Atmosphäre des Jahrmarkts. Weder das Wetter noch die Temperaturen waren störend, viel mehr die angetrunkenen Jugendlichen. Einige mussten dann unbedingt vor meiner Kamera posen. Damit mein Equipment nicht gefährdet wurde, bin ich an eine etwas abgelegene Stelle gegangen. Dort war dann wirklich gar nichts los und ich hatte alle Ruhe der Welt. Mit bloßem Auge sah das ganze Bild weniger ansprechend aus aber ich machte dennoch einige Aufnahmen und siehe da: Hier hat es einfach gepasst! Je länger ich meine Kamera habe belichten lassen, desto „mystischer“ wirkte die Beleuchtung der Kirmes. Bei einer Belichtungszeit von ca. 120sec entstand sogar eine Art diffuser Nebel, obwohl die Luft klar war.


Der große Nachteil dabei war aber, dass das Riesenrad dann völlig überbelichtet wurde. Die Situation schrie geradezu nach einem HDR. Ich hab dann diverse Belichtungsreihen erstellt, damit ich später am PC eine größere Auswahl zu Verfügung habe. Das ganze stellte sich aber als nicht so einfach heraus, wie man eigentlich denken könnte; ich musste einen Moment abpassen, bei dem das Riesenrad sich die gesamte Belichtungszeit lang drehte oder stillstand. Am Anfang gelang mir das nicht wirklich und auf den Bildresultaten konnte man das auch deutlich erkennen. Nachdem ich dem Rhythmus eine Weile lang zugesehen hatte, bekam ich allmählich ein Gefühl dafür, wann ich den Auslöser drücken konnte und wann nicht.
An diesem finsteren Platz entstand dann auch mein Lieblingsfoto von dieses Abends, daher habe ich dafür die größte Bearbeitungszeit investiert.
Folgende Bilder wurden von mir dabei  für die Postproduction ausgewählt:

IMG_3988 – EXIF Daten: Brennweite 52mm; Blende F/8; ISO 100; Belichtung 6sec.

IMG_3997 – EXIF Daten: Brennweite 52mm; Blende F/8; ISO 100; Belichtung 32sec.

IMG_3998 – EXIF Daten: Brennweite 52mm; Blende F/8; ISO 100; Belichtung 80sec.

Bei der Bildbearbeitung der einzelnen Belichtungsreihen konnten mir die bekannten Tonemappingprogramme nicht wirklich weiterhelfen. Aufgrund der sich bewegenden Bäume entstanden stark ausgeprägte Geisterbilder. Mir blieb daher nichts anderes übrig, als die Bilder in Photoshop manuell über Masken zusammen zu setzen. Dabei erforderte vor Allem der Übergang vom Riesenrad zum Rauch einigen Zeitaufwand. Nachdem es anfangs sehr künstlich retuschiert aussah, habe ich letztendlich einen meiner Meinung nach guten Kompromiss gefunden. Hier seht ihr mein finales Ergebnis:

Meine Fotos entwickle ich grundsätzlich vorher im RAW Konverter von Adobe Photoshop CS5. Bevor die Bilder daher zusammen gerechnet werden konnten, waren noch einige Schritte im RAW Konverter nötig, die ich mit diesem Screenshot dokumentiert habe:

Weiterhin habe ich etwas nachgeschärft und das Rauschen minimiert. Das endgültige Entrauschen habe ich dann direkt in Photoshop über das Plugin „Noiseware Professional 4“ von Imagenomic vorgenommen. Damit erhalte ich für meine Begriffe bessere Ergebnisse, als direkt im RAW Konverter.

Wie auf dem Screenshot zu erkennen, gab es einige Probleme mit der dem Ausreißen bzw. Absaufen der extremen Tonwerte. Da selbst der Reparaturregler auf maximaler Stärke kaum Verbesserungen zu erwirken vermochte, musste ich alle drei Bilder verwenden. Die Unterbelichtung in den Bäumen konnte auch bei einer Belichtungszeit von 240sec nicht verhindert werden. Allerdings tut dies dem Gesamtergebnis keinen Abbruch. Im Gegenteil – Damit wird das Augenmerk noch stärker auf das Riesenrad und den Nebel gelegt. Die EBV war bei den beiden anderen Bildern vom Prinzip her gleich.

Fotografiert habe ich mit meiner Canon 7D und einem 24-105L Objektiv. Aufgrund der verbesserten Haptik, ist grundsätzlich immer ein Batteriegriff an angeschraubt und es sieht auch etwas netter aus. Batteriegriffe machen Leute! Als Stativ verwende ich ein Manfrotto Pro190 inkl. Kugelkopf. Damit ich bei den Langzeitbelichtungen noch flexibel bleibe, habe ich mir vor einiger Zeit einen programmierbaren Funkauslöser von Hähnel gekauft. Meiner Meinung nach ist man mit einem einfachen Kabelauslöser in seinen Möglichkeiten zu eingeschränkt.

Hiermit bedanke ich mich bei den Betreibern von Lichtathleten.com. Es ist absolut spitze, dass Sie mir die Möglichkeit geben, einen Gastartikel auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Diese Art von Bericht habe ich zum ersten Mal geschrieben und hoffe daher, dass er euch gefallen hat. Ich freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren. Wenn euch der Artikel gefallen habt, schaut doch auf meiner Website vorbei.

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