Lichtathleten Reise Tag 1: Stuttgart

[Leider war es uns aufrgund technischer Probleme nicht möglich, die Posts am jeweiligen Abend zu publizieren. Wir bitten um euer Verständnis. Der Artikel wurde am Donnerstag, den 2. September 2010 geschrieben.]

Wie im Augustrückblick, auf Twitter und in unserem ersten Reisepost, schon angekündigt, hat heute die erste offizielle Lichtathleten Reise in Stuttgart begonnen. In der nächsten Woche werden wir mit dem Schülerferienticket der Bahn quer durch Baden-Württemberg fahren. 28 Euro für kostenlose Nutzung aller Regionalzüge, Busse und Bodenseeschiffe stellen ein ausgesprochen gutes Preis-leistungsverhältnis dar: 

Podcast

Momentan sitzen wir gerade auf dem Balkon unserer für den Preis wirklich hervorragenden Jugendherberge. Für kaum mehr als 20 Euro pro Nacht waren ein eigenes Zimmer mit Dusche und Toilette sowie ein Bistro mit (kostenpflichtigem) WLAN-Zugang nicht zu erwarten. Nettes Extra: Den Pass der Deutschen Jugendherbergswerk erhalten Besitzer des Schülerferientickets gratis. Für die ganz Ungeduldigen haben wir hier unseren zusammenfassenden Tagesrückblick eingebunden. Wer mehr Zeit hat, kann auch erst fertig lesen und sich dann den Podcast zu Gemüte führen.


[Momentan sind die Bilder noch nicht hochgeladen. Schreiben Sie uns einfach eine Email an info(at)lichtathleten.com. Wir melden uns dann, sobald die Fotos verfügbar sind.]

Projekt

Da sich unser Wohnort nur 60km von Stuttgart entfernt befindet, gab es dort für uns nicht allzu viel Neues zu entdecken. Dennoch stellt die Einkaufsmeile Stuttgarts, die „Königsstraße“ ein im Wortsinne perfektes Pflaster für unser Fotoprojekt dar. In genau einer Stunde wollten wir so viele interessante Menschen der jeweiligen Stadt auf den Sensor bannen, wie möglich. Ob groß oder klein, alt oder jung, arm oder reich: völlig irrelevant! Nur „Charakterköpfe“ sollten es sein. Menschen, die das Bild der Stadt in all ihrer Vielfältigkeit widerspiegeln.
Schon als wir inmitten der 500.000 Einwohner Metropole uns ziemlich scheuten, die erste kurze Videosequenz mit unseren Vorüberlegungen fürs Making Of aufzuzeichnen, wurde klar, dass die Durchführung des Projekts nicht einfach werden würde. Wildfremde Menschen auf offener Straße anzusprechen und von einem Foto zu überzeugen benötigte wohl vor allem viel Einfühlungsvermögen. So wären die Chancen bei vorbeischlendernden Fußgängern ohne offensichtliche Zeichen von Beschäftigung, wie ein Handy am Ohr oder Essen in der Hand, wohl besonders hoch. Trotz dieser ersten Gedanken waren unsere Ideen, wie die nächsten 60 Minuten verlaufen würden, noch ziemlich wage. Die meisten Menschen hätten wohl kein Problem mit einem Bild. Einige würden sich bestimmt geschmeichelt fühlen und freuen. Andere einfach den Shoot schnell hinter sich bringen. Und ein paar ganz wenige, sich zu gar keiner Aufnahme überreden lassen.
Nichts davon. Noch unsere schlimmsten Erwartungen wurden übertroffen. Als wir auf das ersten nett aussehenden Herrn zuliefen und nach einem Foto fragten, lief der einfach weiter – nicht ohne dabei etwas von wegen „ich kaufe nichts“ zu grummeln. Da standen wir nun ziemlich dämlich da, mitten auf der größten Einkaufsstraße Baden-Württembergs, getroffen von zahlreichen bösen Blicken. Das Sprichwort bezüglich „Erdboden“ und „vergraben“ hätte hier hervorragend auf unsere Wunschvorstellung zugetroffen. Nachdem auch die nächste Anfrage mit einem mürrischen „jetzt nicht“ beantwortet wurde und wir schon erste Bedenken ob unserer Projektidee äußerten, kam plötzlich Rettung in Sicht: Ein freundlich dreinblickender Mann. In seiner Hand: eine Canon Spiegelreflexkamera. Er fragte uns, wie er denn das Wasser des nahestehenden Brunnens auf seinen Fotos verwaschen darstellen konnte. Aus dieser Frage entwickelte sich ein kleiner Smalltalk und darauf, wir hatten alle die Chance gerochen und schon vielsagende Blicke ausgetauscht, schließlich unsere erste Aufnahme. Dass eigentlich der Mann uns und nicht, wir ihn angesprochen hatten, wurde zur Nebensache. Was zählte war, dass wir unser erstes verwertbares Bild im Kasten hatten und die Geschichte nun ins Rollen kam. Obwohl zu diesem Zeitpunkt schon fast ein Viertel unseres Zeitbudget vergangen war, schafften wir es dennoch, noch beträchtliche 25 andere interessante Menschen zu einem Foto zu überreden. Von 3 Gangsterrappern bis zum amerikanischen Touristen, der wohl immer noch glaubt, wir würden Nacktbilder von ihm mitten auf der Straße machen wollen („I‘m not doin‘ that fuckin‘ gay porn!“), war eigentlich so ziemlich alles dabei. Natürlich hatte auch nach unserem ersten Erfolgserlebnis nicht jeder Passant Lust auf ein Kurzshooting mitten in der Stadt, dennoch stieg die Erfolgsquote mit der Einführung eines Trick erheblich an: Anstatt nach der Begrüßung sofort anzufangen, uns vorzustellen, haben wir erst einmal mit ironischer Stimme betont, dass wir nichts verkaufen wollen – gepaart mit einem Lächeln die bisher erfolgreichste Methode. Die Videokamera, die unser dritter Mann eigentlich für Making Of Aufzeichnungen nutzen wollte, wirkte allerdings leider ziemlich abschreckend. Das Filmen sorgte für nahezu 100-prozentigen Misserfolg, sodass sich leider nur wenige gute Szenen im Nachhinein ansehen lassen. Dennoch viel Spaß mit unserem Making Of Video:

Zeitraffer Video

Letztlich hatte Sebastian dann doch noch die zündende Idee zur Verwendung der Videokamera. Daher könnt ihr im Folgenden noch einen kurzen Zeitrafferfilm bewundern. Diese Darstellungsart wird uns neben dem Fotoprojekt zusätzlich die gesamte Woche über begleiten. Damit sich unser Nachhauseweg nicht ganz so langweilig gestaltet, haben wir das Video mit Musik von Peter Rudenko untermalt und mit einigen „Eastereggs“ angereichert. Natürlich trotzdem nicht gerade in berauschender Qualität aber für den ersten Versuch doch schon ganz witzig. Viel Spaß damit:

Morgen früh fahren wir dann Richtung Bodensee, genauer gesagt nach Friedrichshafen. Von da aus werden wir Samstag und Sonntag auch Meersburg, Konstanz und Lindau besuchen. Mit dabei natürlich immer das iPhone für Twitter, die DSLRs für das Fotoprojekt und die Videokamera für Making Of und Zeitraffervideo. Ihr könnt euch also auch morgen wieder auf eine Menge interessanten Content von uns freuen.
Solltet ihr ihn der Nähe einer dieser Städte wohnen und Lust auf ein kurzes Treffen haben, schreibt uns einfach eine Nachricht. Wir würden uns freuen!

  1. malte+ Antworten

    Hallo,

    erstmal muss ich ein richtig dickes Lob loswerden, dass ihr bei eurem Projekt soviel – gutes – Zeug postet. Hab mir jetzt mal alle drei Videos plus den Text durchgelesen/gesehen und bin ziemlich beeindruckt von eurem Projekt. Das mit dem Leute ansprechen ist ja eigentlich immer das übliche Problem bei solchen Vorhaben. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich seltener Portraits mache.
    Die zwei Making-Of Videos waren doch recht informativ und Kurzweilig. Das letzte (Zeitraffer-) Video trifft auch auf meinen Geschmack obwohl die Qualität natürlich, wie ihr sicher selber wisst, nicht so das Beste ist. Aber der Inhalt überwiegt natürlich.

    Macht auf jeden Fall weiter so, ich werde eurem Blog treu bleiben (lese eigentlich immer die Artikel).

    VG Malte

    • Benjamin Harr Antworten

      Danke Malte. Wir haben noch einige Videos auf Lager für euch und die Qualität der Zeitraffer wird steigen je mehr wir in Übung kommen und merken was gut funktioniert und was nicht.
      Die Qualität der Videos die wir schon veröffentlicht haben wird auch noch steigen, allerdings nur in der Auflösung und zwar wenn wir daheim sind und die Uploadzeiten nicht so wichtig sind wie auf der Reise.
      Gruß Benni

  2. Ivo Antworten

    Respekt!!
    Aber so harmlos wie ihr ausschaut, dürfte das Ansprechen doch kein Problem sein :-)
    Die Bilder find ich Klasse!
    Eine Frage allerdings hätte ich. Und zwar, derjenige mit der kurzen Brennweite, hat, wenn ich das richtig interpretiere, immer die Lichtmessung neben den Modellen gemacht. Oder warum hast du immer daneben gehalten, bevor du fotografiert hast?

    Weiter so, Kollegen :-)
    Lg iVo

  3. Benjamin Harr Antworten

    Hi Ivo, ich beantworte das mal für Marius (ich bin der mit dem Tele :P ).
    Wir fokussieren beide IMMER mit dem mittleren AF-Feld, da dies (leider) der einzige Kreuzsensor bei unseren Kameras (450D und 5D) ist. Die anderen Fokusfelder sind also nicht so schnell und nicht so treffsicher. Deshalb wir immer zuerst mit dem mittleren Feld auf das Auge, wo wir immer unsere Schärfe setzen, fokussiert und dann (der Auslöser bleibt halb durchgedrückt) der Bildausschnitt gewählt, bis man letztendlich abdrückt.

    Ich habe das mit dem Tele auch so gemacht, jedoch ist es da nicht so aufgefallen, da ich keine so weiten Wege mit der Kamera zurücklegen musste, denn es war bei mir immer ein Kopfportrait, da ist das Auge nie weit weg vom letzendlichen Bildausschnitt ;-)

    Gruß Benni

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