“Wer günstig kauft, kauft zwei mal” – oder?

Vermutlich jeder, der sich in Foren schon einmal nach Objektiv Empfehlungen oder ähnlichem umgehört hat wird diesen Satz kennen: „Wer günstig kauft, kauft zwei mal.“ Der eine oder andere wird hierzu sicher schon eine eigene Meinung oder Erfahrung haben, die ihr dann gerne als Kommentar schreiben könnt.
Also, jetzt aber zurück.

Ich habe schon sehr viele Erfahrungen mit günstigen Käufen gemacht. Mit manchen Produkten war ich zufrieden, mit anderen hingegen gar nicht und ich habe sie wieder verkauft.
Als kleines Beispiel möchte ich euch gleich einmal meinen Beginn mit Kameras präsentieren. Ich wollte nicht viel Geld ausgeben und habe mir deshalb die 1000D im Kit gekauft, welche damals brandneu war. Ich hatte viel Spaß mit der Kamera und bin auch heute noch überzeugt davon, dass man mit ihr super Bilder machen kann. Dennoch wollte ich schnell eine neue Kamera. Hier hat also der Satz total gepasst. Jedoch würde ich trotzdem nicht empfehlen gleich mit einer teuren Kamera einzusteigen, denn es ist ja im Prinzip ein Stück weit zum ausprobieren ob einen die Fotografie interessiert. Wenn man am Anfang gleich nach „klotzen statt kleckern“ geht und man merkt hinterher, dass Fotografie doch keinen Spaß macht, ärgert man sich sehr. Jetzt sind wir auch schon am springenden Punkt angelangt: Ich kaufe günstig, weil ich testen will. Ich will wissen ob es mir Spaß macht. So habe ich auch schon ein günstiges Tele und eine günstige Festbrennweite gekauft. Beides habe ich wieder verkauft, jedoch auch ein teures Tele angeschafft, ich habe „geklotzt statt gekleckert“ und mir gleich ein fettes L Objektiv gekauft. Das würde jetzt total dem „wer günstig kauft, kauft zwei mal“ entsprechen, aber ich habe noch ein drittes Mal gekauft, weil ich das teure Objektiv nicht brauchte, das günstigere vom einem anderen Hersteller nur etwa 3/4 des Preises bei gleicher Leistung kostet und für mich vollkommen ausreicht. Man sollte es also auch nicht gleich übertreiben und viel zu teure Objektive kaufen. Wenn man jedoch keine Geldsorgen hat spricht auch nichts gegen das teuerste und hochwertigste Objektiv seiner Klasse.

Der Sinn hinter diesen schwer verständlichen Sätzen ist relativ simpel: Ich kaufe günstig, weil ich testen möchte und wenn mir das Testobjekt gefällt, dann wird ein teureres Exemplar gekauft.
Das hört sich jetzt vielleicht relativ einfach an mit dem kaufen und verkaufen, doch ich habe schon sehr viel von privat gekauft. Beim Kauf und Verkauf über privat ist natürlich immer ein sehr hohes Risiko mit dabei, doch ich bin glücklicherweise noch nie übers Ohr gehauen worden. Inzwischen kaufe ich deutlich weniger bei Privat, da mich das ein oder andere was man so hört doch etwas vorsichtiger gemacht hat.

So, genug von meinen Kaufgeschichten und zurück zum Thema. Ich habe euch jetzt an einem echten Beispiel gezeigt, dass ich nach dem günstigen das teure kaufe. Doch Anfangs habe ich gesagt, dass es meiner Meinung nach auch eine Kehrseite gibt. Ich hatte mir auch einmal eine Festbrennweite zugelegt. Es war ein 50 1,8 und kostet so um die 90€. Ich war sehr zufrieden damit und hatte gar nicht das Bedürfnis nach einem teureren Objektiv. (Aus irgend einem Grund hab ich es doch verkauft, aber keinen Ersatz besorgt. Deshalb gibt‘s demnächst wieder einen „Plastikbomber“ wie ich das Objektiv liebevoll nenne…).
Ich bin von meiner “Strategie” ziemlich überzeugt und stehe auch kurz vor dem Kauf von einem günstigen, komplett manuellen Fisheye – zum probieren. Ich werde dann hier auch darüber berichten und wer weiß, vielleicht behalte ich das ja dann auch langfristig.

Also wie ihr seht kann dieser Spruch sowohl manchmal wahr oder auch nicht wahr sein. habt ihr auch Erfahrungen damit? Schreibt einfach einen Kommentar!

Bis zum nächsten Mal!

  1. Bernd Antworten

    Ich sehe diesen Spruch genau wie du aus zwei Perspektiven. Zum einen ist es unsinnig sich etwas teures zu kaufen, wenn man nur mal schauen möchte ob einem das Hobby überhaupt zusagt. Zum anderen ist es aber auch so, dass es spätestens nach dieser Experimentierphase teurer wird, wenn man sich nur die günstigen Sachen kauft. Denn oft kauft man gerade dann zweimal. Gerade im Zubehörbereich gibt es doch gravierende Unterschiede zwischen “günstigem” Zubehör und dem etwas teureren. Es gibt z.B. viele Stative, die für wenig Geld zu haben sind. Stellt man diese aber wirklich mal auf und nimmt sie mit auf reisen, kann es schnell zu Enttäuschungen kommen, da sie oft wackelig sind oder einfach nicht den Komfort bieten wie die teurere Variante. Genauso ist es auch bei vielen anderen Zubehörteilen, wie z.B. Filter, Kameragurte, Taschen, etc. Lieber spare ich hier etwas länger und kaufe gleich das richtige, wie das ich zweimal kaufe. Gerade im Bereich Tasche habe ich diese Erfahrung schon gemacht und seit dem denke ich etwas anders darüber. Sieht man diesen Spruch jedoch auf den doch wesentlichen Preisunterschied bei Objektiven, so muss man immer abwägen welchen Mehrwert man durch das teurere Objektiv erzielt. Oftmals sind es Unterschiede, die für den Profi zwar relevant und gerechtfertigt sind, für einen Hobbyfotografen jedoch keinen Unterschied machen. Weshalb brauche ich als Hobbyfotograf z.B. ein 50mm 1.4 wenn mir auch das günstigere 1.8 ausreicht? Nur wegen der Verarbeitung oder kaum bemerkbaren Abbildungsunterschieden? Hier würde ich zur günstigeren Variante greifen, es sei denn es ist ein Statussymbol für mich oder ich sehe wirklich markante Unterschiede.

    Grüße Bernd

    • Benjamin Harr Antworten

      Hallo Bernd!
      Erstmal danke für deinen ausführlichen Kommentar, es hat mich gefreut :-)
      Ich muss auch sagen, dass man bei taschen lieber etwas mehr spart und sich dann eine hochwertige kauft. Ich habe auch damit Erfahrungen gemacht. Eine Umhängetasche habe ich bei eBay für 20€ gekauft. Alles schön und gut aber an manchen stellen löst sie sich schon etwas auf und deswegen habe ich jetzt auch für den 4 fachen Preis einen neuen Rucksack gekauft. Hier hat der Spruch also mal wieder voll gestimmt.
      Gruß
      Benni

  2. Sinan Antworten

    Man könnte es auch folgendermaßen verstehen:
    Ich kaufe das billigere (was auch immer) und habe dann noch Geld übrig, um mir ein weiteres bzw. anderes ‘wasauchimmer’ zu erstehen… :)
    Beispiel: billigeres MacBook Pro, und vom Restgeld ein iPad.
    Aber das werde ich nicht machen. Ich bin mir noch nicht sicher. :D
    lg Sinan

  3. Marius Hepp Antworten

    Gerade beim Erwerb von neuer Technik (z.B. Kameraequipment) besteht immer die Gefahr, dass man das Gefühl dafür verliert, wie teuer etwas wirklich ist. Da werden 100 Euro für ein Objektiv schnell zum Schnäppchen und 400 Euro sind nicht einmal teuer. Hier gilt es vor allem als Schüler oder Student immer abzuwägen: Ist der Vollformatsensor einer neuen Kamera tatsächlich die 100 Stunden Mehrarbeit im Ferienjob wert, oder eigentlich nur Spielerei. Kaufe ich Spiel- oder Werkzeug? Wer sich bei Ersterem ertappt, überlegt sich besser zweimal, ob das Geld wirklich sinnvoll angelegt ist…

Posten Sie Ihre Meinung