Digitale Lochkamera einfach und kostenlos selber bauen!

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Viele kennen ja bestimmt eine Lochkamera und wie sie funktioniert. Wer, kann das hier auf Wikipedia nachholen. Eine Lochkamera hat keine Linsen oder Objektiv, nur eine winzige Blende und ein Aufnahmemedium (Film o.ä.).
Soweit so gut. Jetzt möchte ich dieses Prinzip auf eine Digitalkamera übertragen. Ich habe einen Gehäusedeckel zu einem Lochkamera-Vorsatz umgebaut. Wie die Sache funktioniert und was es zu beachten gibt, das erfahrt ihr jetzt.

Als ersten Schritt habe ich dem Gehäusedeckel angezeichnet und die Mitte bestimmt. Das könnt ihr machen wie ihr wollt, ich habe das irgendwie durch ausprobieren und herumschieben vom Geodreieck gemacht.
Jetzt geht‘s ans Bohren. Ich habe den kleinsten Bohrer genommen, den ich gefunden habe, der aber immer noch zu groß war wie sich später herausstellte. Also kann ich euch raten, wenn ihr das nachbauen wollt: Nehmt den absolut kleinsten Bohrer den ihr habt. Denn je kleiner das Loch ist, desto schärfer wird hinterher das Bild.

Ich habe den durchbohrten Gehäusedeckel dann auch gleich mal auf die Kamera geschraubt (Wichtig: vorher Späne abpusten, sonst habt ihr das alles in der Kamera/auf dem Sensor!) und ein Bild gemacht. Das Ergebnis war ernüchternd, da das Loch zu groß war. Ich  habe also improvisiert und ein Klebeband großzügig über das Loch geklebt und  dann mit einer Nadel ein deutlich feineres Loch hineingestochen (Vorsicht, dass man nicht zu tief sticht!).

Die neuen Testbilder waren um einiges besser. Man kann, wenn man mit der Kamera fotografiert immer noch in den Automatikmodi fotografieren, da der Belichtungsmesser noch funktioniert, es empfiehlt sich aber auf Manuell zu schalten, um die volle Kontrolle zu erhalten. Wenn man die ISO gering halten möchte, muss man eigentlich mit Stativ arbeiten (auch bei Tag), da die Belichtungszeiten im Sekundenbereich liegen. Draußen kann man aber auch bei maximaler ISO (in meinem Fall 3200) aus der Hand fotografieren und zwar bei durchaus haltbaren Verschlusszeiten, wie hier 1/50.
Das hier ist ein Testbild, welches ich einfach mal aus der Haustür raus geschossen habe, mit Blick aufs Nachbarhaus. Wie ihr seht, ist das Bild etwas unscharf, aber je kleiner und feiner ihr das Loch macht, desto schärfer wird das Bild. Jedoch ist bei einem noch kleineren Loch das Arbeiten vom Stativ ein Muss.

Ich habe mir jetzt ein kleines „Lochkamera-Set“ zusammengestellt, bestehend aus dem Gehäusedeckel mit Loch, ein paar zurechtgerissene Stücke Klebeband, einer Nadel und einer Büroklammer. Das ganze kann man dann bequem zwischen Gehäuse- und Objektivdeckel einschließen und so immer in der Fototasche mittragen. Von mir werdet ihr in Zukunft ab und zu Bilder sehen, die ich mit diesem Gehäusedeckel als „Objektiv“ fotografiert habe. Die Bilder, die daraus entstehen sind zweifelsohne lang nicht so scharf und perfekt wie mit einem Objektiv, aber dafür haben sie ihren ganz eigenen Look und es ist doch etwas faszinierend, dass man mit einem Stück Plastik so ein Bild erzeugen kann. Ach und übrigends: Man sieht mit dieser Methode auch perfekt seine Sensorflecken. Ich habe sie hier grob herausretuschiert, da ich euch meine Müllhalde auf meinem Sensor wirklich nicht antun möchte. Aber so dreckig wie mein Sensor ist, wird es demnächst einen Post über Sensorreinigung geben.
Wenn ihr soetwas auch habt oder es nachgebaut habt, dann  ladet eucher Bild doch hoch und postet den Link als Kommentar hier, es würde uns sehr freuen. Anregungen oder Kritiken könnt ihr auch gerne schreiben.

Bis zum nächsten Mal!

  1. bildundmehr Antworten

    Hey, cooler Beitrag. Ich bin ein großer Freund von DIY Lösungen.
    Freue mich schon auf weitere Beiträge.
    Sagt nur bei Twitter bescheid ;)

  2. Markus Antworten

    Lochkamera war mir ein Begriff, aber dies in kombination mit der digitalen Kamera noch nicht.
    Ich betreibe mit zwei Fotokollegen eine kleine Lokale Fotogruppe. Hier werde ich diese Idee mal vorschlagen einen ganzen Tag mal damit zu fotografieren bzw. ein großprojekt zu starten – back to the roots
    Danke für die einfache Anleitung, werde ich bald mal testen :-)

    • Benjamin Harr Antworten

      Super, wenn ihr die Bilder dan hier verlinkt oder sie in unseren Flickr-Pool stellt wäre das großartig. Ich habe von dieser Idee einmal gehört und fand sie so verrückt, dass ich sie gleich ausprobieren musste…

  3. Heini Antworten

    Super Beitrag, einziger Kritikpunkt – ich weiß nicht ob das bei euch auch so ist, aber die ersten beiden Bilder sind wohl in Originalgröße verlinkt. Bei mir sind sie nicht zu erkennen da nur etwa 25% auf einmal zu sehen ist.

    Aber wie gesagt super Beitrag

    • Benjamin Harr Antworten

      Hi! Danke für deinen Kommentar, wir haben hier leider noch einige Probleme mit der Darstellung, das ist noch etwas in Arbeit… Aber wir werden uns darum kümmern
      Gruß
      Benni

  4. Eastsidefreak Antworten

    Kann mir ein schmunzeln nicht verkneifen…
    “Eine Lochkamera hat keine Linsen oder Objektiv, nur eine winzige Blende und ein Aufnahmemedium (Film o.ä.).”
    Wenn ich jetzt ein Loch in einen Objektivdeckel mache ist, wie der Name schon sagt immernoch ein Objektiv darunter und somit das Prinzip “Lochkamera” kilometerweit entfernt!
    Wahrscheinlich steht das Objektiv in einer “Neutralen” Stellung weil es nicht scharfstellen kann. Daher die Unschärfe. Im automatik Modus wird die Kamera gar nicht auslösen!
    Wenn ich auf manuell schalte verschwindet das Objektiv nicht!
    Es ist nichts weiter als Digitalkamera-Quälerei… meine Meinung.
    Nutzt das Wetter für “richtige” Fotografie und lasst den Deckel in der Tasche!
    Bye…

  5. Marius Hepp Antworten

    Hallo Eastsidefreak. Erstmal danke für deinen Kommentar hier und auf deinem Blog (http://creadoping.de/BlogHouse/category/allgemein/).
    Allerdings glaube ich du triffst mit deiner Kritik nicht ganz den Kern, da Benni in seinem Beitrag keineswegs geschrieben hat, er mache “ein Loch in einen Objektivdeckel”, wie du es in deinem Kommentar zitierst. Vielmehr hat er das Loch in einen GEHÄUSEDECKEL gebohrt und der sitzt wie der Name schon sagt direkt über dem Gehäuse (also dem Spiegel, der das Licht zum Sensor leitet) – nicht über einem Objektiv. Deshalb glaube ich, dass das Prinzip Lochkamera nicht “kilometerweit entfernt” sondern sogar ziemlich genau auf eine Digitalkamera übertragen wurde.
    Mein gut gemeinter Vorschlag an dich: Nutz das Wetter für “kreative” Fotografie, den Deckel kannst du dann immer noch in der Tasche lassen. Neue Erkentnisse bringen solche Experimente immer, auch wenn du sonst keinen Nutzen daraus ziehst.
    Viele Grüße,
    Marius

    P.S. Ich danke dir nochmals für deine Kritik und hoffe dich hier bald als Stammleser begrüßen zu dürfen. Wenn ich deinen Kommentar jetzt falsch verstanden/interpretiert habe, melde dich einfach nochmals (deine Comments werden hier sicher nicht gelöscht werden, wie du in deinem Blog befürchtet hast).

  6. Eastsidefreak Antworten

    Ahhhh…. OK. Ich habe keine SLR… wenn man das Bild etwas seitlicher aufgenommen hätte könnte man sehen das dort kein Objektiv ist und es gäbe kein Missverständniss.

    Denn man los und löchert die Welt!

  7. eckart meyer Antworten

    Man kann nicht nur die Lochgröße variieren, sondern auch den Abstand vom Chip. Nach dem Strahlensatz beeinflußt das den Abbildungsmaßstab genau so, als ob man mit Ob- jektiv arbeitet, also ‘Kleiner Lochabstand – Weitwinkel-, großer Abstand – Tele-Effekt.
    Zusatztip: Fa. Baader und ähnliche verkaufen IR-Sperrfilter. Das ist planes Glas und beeinflußt die Bildgebung nicht, schützt aber den Chip. Diese Filter gibt es in verschie- denen Bajonett-Anschlüssen.

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